“Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr.” Das wusste schon Lü Bu We (chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph, ca. 300 v.Chr. - ca. 235 v.Chr.).
In meinem Fall bedeutet das, dass meine Zeit hier in Shanghai vorerst beendet ist, und jetzt in Mainz neue Aufgaben und Projekte auf mich warten. Aber auch, dass ich meinen Aufenthalt als Chance zu neuer Zusammenarbeit sehe, und mit dieser Motivation zuhause neu starten kann. Mir haben sich viele neue Perspektiven eröffnet, berufliche ebenso wie persönliche. Dafür bin ich sehr dankbar und schaue gespannt auf das nächste Jahr, was es mir, Mainz und Shanghai bringen wird.

Das war eine Trainings-reiche Woche für mich hier. Candy verlässt mediaman Ende Oktober, weshalb sie uns zwecks Übergabe in ihre Welt von AdWords, RedDot, Hybris und Co. eingeführt hat. Interessant war da vor allem der Einblick in das RedDot-Projekt, da ich selbst schon eines konzipiert habe - was ist hier besser gelöst, wo gibt es noch Anregungen für mich?
Eine Schulung habe ich auch selbst gehalten, SEO Basics für unser Account Management und NewBizz Team. Das wichtigste und gleichzeitig schwierigste ist ja oft, den Kunden zu vermitteln, wie wichtig SEO schon zu Projektstart ist. Einen Relaunch ohne SEO-Maßnahmen fertig zu stellen und hinterher in Phase 2 ein SEO-Projekt nachzuschieben bedeutet meistens hohe Kosten und verzögerte Resultate. Im schlimmsten Fall sind wichtige Maßnahmen aufgrund bestehender Strukturen und IT-Umsetzungen garnicht mehr machbar. Und manchmal wird solch ein Projekt vom Kunden zwar geplant, aber nach dem Relaunch dann doch nicht direkt durchgeführt.
Eine interessante Unterhaltung hatte ich anschließend noch mit Candy und HuPing über Baidu. Ich hatte nach Details zu den Unterschieden zwischen Google und Baidu gefragt, da wir für beide Suchmaschinen SEM-Kampagnen anbieten.
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Ich habe gestern versucht, am Online Marketing WebKongress teilzunehmen, musste es aber enttäuscht abbrechen. Die Verbindung zu ausländischen Websites ist hier in China so langsam, dass solche Dienste hier kaum funktionieren. Auch auf die Videostreams der heute-Nachrichten muss ich verzichten, dieser funktioniert hier nicht mal mit kleinster Auflösung.
Das ist sehr frustrierend, weil dadurch natürlich viele schöne Webanwendungen hier nicht so angeboten werden können wie bei uns. Unseren Kunden ist das ebenfalls bewusst, und so fragen sie bei jeder gezeigten Referenz nach, wo die Website erstellt bzw. gehostet wird. Wird eine Website hier gehostet, ist die Verbindungsgeschwindigkeit gleich deutlich besser, allerdings müssen alle Websites dann staatlich registriert sein und ihre Registrierungs-ID auf Ihrer Website angeben.
Dass die Regierung hier westliche Angebote wie Twitter oder Facebook sperrt, haben sicher die meisten mitbekommen. Für die Chinesischen Internetnutzer ist das aber kein Grund, sich zu beschweren (das tut man hier sowieso nicht oft, vom schimpfenden Taxifahrern und lauten Streitigkeiten unter Nachbarn mal abgesehen). Da sie ihre eigenen chinesisch-sprachigen Communities und Network-Sites haben, ist das auch teilweise verständlich.
Allerdings betreffen die Kontrollen nicht nur ausländische Sites. Auf chinesischen Nachrichtenseiten müssen sich zum Beispiel seit August alle Nutzer mit richtigem Namen und Identitätsnummer ausweisen (ähnlich unserer Personalausweis-Nummer), wenn sie Kommentare hinterlassen wollen. Da ist es mir nur noch durch Geschichte und Mentalität erklärbar, dass kein Chinese etwas dagegen sagt. Wenn ich an Deutschland denke, mit Petitionen gegen Internetsperren, der Piraten-Partei oder Demos gegen Vorratsdatenspeicherung… schön ist die Demokratie
Ich kann bestimmt noch über mehr Beispiele berichte, für heute begnüge ich mich mal damit und schaue mir noch eine DVD an, deren Verkauf hier dafür erfreulich unkontrolliert von statten geht…
Ich habe ein schönes Zitat gefunden vom sowieso bewundernswerten Antoine De Sainte-Exupery. Es beschreibt sehr schön meinen Anspruch und meine Hoffnung, mit dem ich hierher gekommen bin:
If you want to build a ship, don’t drum up the people to gather wood, divide the work, and give orders. Instead, teach them to yearn for the vast and endless sea.
Nach einem langen Meeting mit der chinesischen Konzepterin hier habe ich allerdings die Befürchtung, mich davon ein Stück weit verabschieden zu müssen.
Woran das liegt? Zum einen wohl an der chinesischen Mentalität, die wenig Eigenantrieb und -Verantwortung mitzubringen scheint, andererseits aber vor allem am Bildungssystem, das nach wie vor aus Auswendiglernen und Kopieren besteht.
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